Elke Neu ist seit über 28 Jahren Rohkostveganerin. Sie betreibt die Rohkostpension „Sonnenhaus“ bei Lübeck und öffnet hier ihren Erfahrungsschatz.

Liebe Elke, du lebst schon sehr lange rohkostvegan…

Über 28 Jahre. Die einfach toll waren. In Vergleich zu dem, was vorher war. Ich bin 1,52 m groß und wiege 50 kg. Seit 27 Jahren. Das sind 5 kg weniger als zu meiner Hochzeit. Und seitdem ich so esse, habe ich auch keine Linienprobleme mehr.

Wie geht es dir gesundheitlich mit immerhin schon 75 Jahren?

Ich habe die Tage Zug bekommen und jetzt tut mir momentan der Rücken weh und ich habe ein Tuch um. Aber wenn ich mich umschaue bei den Gleichaltrigen, beim letzten Klassentreffen… eine hat ein Hörgerät. Brillen und graue Haare, das haben sie eigentlich alle. Hier werden sie bei mir ein bisschen heller, aber dass ich mit 75 noch ohne graue Haare laufe… Und keine Brille und keine Hörgerät und keine anderen „Ersatzteile“ …

Nicht mal beim Autofahren?

Nein, ich hatte ein Gerstenkorn und war beim Augenarzt. Der fragte mich: „Bei welchem Augenarzt sind Sie in Behandlung?“- „Behandlung?-Na bei Ihnen!“- „Ja, aber sie waren 2008 das letzte Mal hier.“ Dann hat er mich richtig ausgemeckert und gesagt, das wäre unverantwortlich, dass ich keine Brille hätte.

Als sich von normalem Essen auf Rohkost umgestiegen bin, hatte ich kurz eine. Aber ich kann sogar bei den Überweisungen noch die kleinen Zahlen lesen. Und wenn ich sie nicht brauche… Dann hat er noch mal kontrolliert, aber nicht mehr gefunden als das Gerstenkorn.

Würdest du etwas über dich und deine Kindheit berichten?

Ich bin 1941 als 5. von 6 Kindern auf einem Bauernhof geboren. Großgeworden mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Enten, Puten, Hund und Katze. Damals hätte übrigens niemand den Katzen Kitekat gegeben. Die bekamen im Kuhstall etwas Milch.

Kennst du die Versuche mit Pottengers Katzen*? Daran musste ich kürzlich wieder denken. Wir haben ja damals mit der Hand gemolken, dann wurde die Milch durch ein Sieb mit einem Wattefilter gefiltert. Die Baumwollfilter wurden in den Katzennapf ausgedrückt und dann auf den Mist geschmissen. Wir Kinder haben uns oft geschüttelt weil die Katzen sich die Filter wieder aus dem Mist holten und die noch ausgeleckten. Die Katzen waren gesund und munter. Ich denke, weil sie diese frische, unerhitzte Vollmilch hatten.

Heute bekommen die meisten Katzen ja Trocken-oder Dosenfutter. Das ist ja alles schon erhitzt worden. Eine Freundin von mir ist Heilpraktikerin und die füttert ihre Katze und ihren Hund nur mit Rohem, obwohl sie selbst nicht Rohkostveganerin ist, und es geht ihnen wunderbar und alle ihre Tiere werden steinalt.

Und wie war die Ernährung der Menschen in deiner Kindheit?

Wir haben früher nur Gekochtes gegessen. Höchstens mal Äpfel gab es roh. Sogar die schönen Kirschen wurden eingemacht. Und von den Äpfeln und Birnen wurde Kompott gemacht. Es wurde ja alles, alles gekocht, der Weißkohl und Rotkohl und Grünkohl. Und heute schüttelte ich mich, ich finde ihn bitter und der rohe ist einfach köstlich.

Ja, wenn man an den frischen (Kohl) einmal gewöhnt ist, dann ist der Zerkochte geschmacklos oder bitter…

Wir haben natürlich Fleisch gegessen. Im Sommer viele Hähnchen, denn jedes Frühjahr gab es 100 Eintagsküken, diese kleinen, flauschigen. Und da hatten wir extra ein Kükenhaus, da kamen die Küken rein. 50 % waren natürlich Hähnchen. Im Juni, Juli herum konnte man sehen, welche das waren. Im August oder September wurde der Hühnerstall gescheuert und dann kamen die Junghennen in den Hühnerstall und die Hähnchen blieben im Kükenstall. Dann gab es im Spätsommer jeden Sonntag Hähnchen.

Das gab es nicht so wie heute, dass die Hähnchen einfach geschreddert werden. Oder es gab auch Täubchen oder auch Kaninchen. Ich habe nichts daran gefunden, ich habe das alles gegessen. Aber mein ältester Bruder der aß es nicht. Weil es ihm gegen den Strich ging, der konnte kein Fleisch essen. Später habe ich das begriffen, er war der sensibelste von uns.

Wahrscheinlich gar nicht so einfach, als ältester Sohn auf einem Bauernhof kein Fleisch zu essen…?

Ja, denn beim Schlachten musste das Schwein festgehalten werden, wenn es eins vor den Kopf bekam, das wäre sein Job gewesen. Aber man hat es dann irgendwann akzeptiert, dass er nicht wollte, er musste das dann nicht. Er ist als erster umgestiegen. Ich fragte ihn mal, ob wir uns nicht fühltenwie ein Verräter in den eigenen Reihen. Aber er sagte: „Stell dir mal vor wie toll das wär, wenn alle so umsteigen würden! Wir müssten nichts mehr Schlachten wir wären viel friedlicher und freundlicher.“ Da bin ich mir ganz sicher: Fleisch macht aggressiv.

Stell dir mal vor, wir würden all das Geld und die Energie die wir in den Krieg gesteckt haben, da reinstecken, uns gegenseitig zu helfen. Wir könnten doch alle wunderbar leben! Das fände ich gar nicht mal so schlimm, wenn man dann in der Woche mal ein Hähnchen isst, aber ich finde es schlimm, welche Kräfte in Kriege gesetzt werden.

Ich sehe dich und mich und viele andere ein Stück in der Rolle, dass man dieser Haltung den Weg bereitet.

Ja, auf jeden Fall! Früher war es mir wichtig, dass die Menschen gesund sind. Heute sehe ich, wenn sie gesund sind, dann sind sie auch friedlicher. Heute ist es mir genauso wichtig, diese Aggressivität abzubauen. Da bin ich sehr, sehr froh, weil ich merke, dass ich friedlicher geworden bin.

Ja, früher hatte ich auch mehr Konflikte, als ich noch Fleisch gegessen habe

Ja, ich auch, aber es gab dann irgendwann Wege, wie man das klären konnte. Als ich noch Fleisch aß, in der Zeit wo ich so krank war und gelitten habe, da war ich echt bärbeissig. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen. Sowas entsteht durch falsches Essen! Das ist doch verrückt!

Nun haben ja noch nicht alle dein Buch gelesen, in dem du erzählst, wie du zur Rohkost gekommen bist, aus diesem doch ganz anderen Start heraus. Würdest du das kurz zusammenfassen?

Ich war als junge Frau sehr krank, hatte chronische Entzündungen in der Lunge und bekam 10 Jahre lang Antibiotika. Hatte Depressionen und Rückenarthrose, ständig Kopfschmerzen und Erschöpfung. Als ich mittags aus der Schule kam – ich war Lehrerin – war ich halbtot. Dazu kam dann Parodontose unds ständig Karies. Außerdem Durchblutungsstörungen vom Knie bis zu den Füßen. Die Beine wurden taub, die Unterschenkel waren wie mit Blei ausgegossen. Ich war müde und matt und habe immer nur gedacht, hoffentlich ist dieses doofe Leben bald zu Ende, oft noch schlimmer, wie kann ich es beenden.

Und das ging über 10 Jahre so? Wie alt warst du da ungefähr?

Da war ich zwischen 32 und 42. Ich denke, die Depressionen fingen so mit 27 an. Ich hatte äußerlich ja gar keinen Grund, ich hatte eine nette Umgebung und dachte, ICH wäre komisch. Dann dachte ich irgendwann, alle anderen Frauen haben das auch. Wenn jemand fragte, wie geht es dir, dann sagte ich immer mit strahlender Miene: „Sehr gut!“. Ich hätte mit strahlender Miene vors Auto springen können.

Ich weiß noch, 1972 kam die Gurtpflicht auf. Wie gut und richtig, es wird unendlich viel für unsere Verkehrssicherheit getan. Aber wenn man so viel Energie und Mühe auch in unsere Ernährung gesteckt hätte, wie viel hätte man damit bewirkt! Wie viel mehr Menschenleben hätte man retten können. Aber statt uns zu schützen vor den Industrieprodukten, lässt man die Pharmaindustrie gleich mit an uns verdienen.

Auslöser für deine Ernäherungsänderung war vermutlich, dass du 8 verschiedene Krankheiten hattest und gesagt hast: jetzt muss ich aber mal was ändern?

Nein, ich kam überhaupt nicht auf die Idee. Ich glaubte, ich lebte gesund. Ich hatte doch Hauswirtschaft unterrichtet. Und ich habe doch den Schülern beigebracht: z. B. pflanzliches Eiweiß muss durch tierisches Eiweiß ergänzt werden.

Ich bekam ein Buch von Dr. Bruker in die Hand und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: man kann sich gesund essen! Das hat mich so gepackt und so fasziniert.

Im Februar 1982 las ich es und dachte: das probierst du aus! Ich hatte nicht gedacht, jetzt kommt die große Erleuchtung. Ich dachte, ohne Kaffee zur Schule, das geht gar nicht! Ich schlafe ja dann um 10 schon ein. Also probierte ich das im März in den Osterferien aus. Keinen Kaffee zu trinken, war mein schwerster Schritt. Ich hatte 3 Tage lang Kopfschmerzen. Dann setzte ich die Tabletten ab und sagte dem Arzt: „ich setze sie jetzt ab, und ich komme jeden Monat zum Kontrollieren. Ich komme weiter zu ihnen, ich will aber sehen, was passiert.“

Ich merkte: es ging mir besser und besser und besser. Als ich dann nach einem halben Jahr einen Rückblick machte, da hatte ich keine Arthroseschmerzen mehr, keine Erschöpfungszustände, die Durchblutungsstörungen und die Depressionen waren weg. Die Lunge war noch nicht in Ordnung, aber sie war auch nicht schlechter geworden.

So aß ich dann 6 Jahre Vollwertkost. Weil ich dann mehr wissen wollte, belegte ich bei Dr. Bruker dann Seminare. ich habe mit ihm am Tisch gesessen und gesprochen. Das war toll.

Ja, ich habe Dr. Bruker auf YouTube gesehen. Er konnte Zusammenhänge toll rüberbringen, oder?

Ja, er war für mich der interessanteste Mensch und der überzeugendste. Ich lernte ja auch den Helmut Wandmaker kennen, den Franz Konz und den Claude Burger. Bei dem Max Otto Bruker habe ich das erste Mal gehört, dass man auch roh essen kann. Ich hatte ja bis dahin geglaubt, man MUSS garen.

Der hatte 60 Jahre als Internist gearbeitet und er setzte seine Schwerkranken immer auf Rohkostich. Das hat mich fasziniert. Wer Rohkost ausprobieren wollte, der durfte bei ihm am Tisch sitzen. Da habe ich dreimal eine ganze Woche lang bei ihm am Tisch gesessen. Die Rohkost schmeckte mal gut und mal nicht so gut und er sagte: „Ja, man merkt sofort welcher Koch da wirkte.“

Später habe ich am meisten gelernt bei Urs Hochstrasser (Anmerkung: ein rohkostveganer Gourmetkoch), der war 4 mal hier in meiner Pension.

So hatte ich also 6 Jahre mit Vollwertkost gelebt. Dann erst kamen die Bücher von dem Burger, vom Wandmaker und vom Konz. Der Burger war mein Einstieg in die Rohkost. Sein Gedanke: wieso brauchen wir überhaupt noch irgendetwas Gekochtes? Im Rahmen der „7 Wochen ohne“ der kirchlichen Fastenzeit habe ich Rohkost ausprobiert, so, wie andere versuchen ohne Schokolade oder Alkohol auszukommen.

Also kamen die neuen Ideen so nach und nach?

Ja, nach den 7 Wochen blieb ich auch nicht direkt dabei, sondern aß mal 2 Wochen Rohkost oder mal 3. Dann kam das Buch vom Wandmaker „Willst du gesund sein vergiss den Kochtopf“. Ich habe zu der Zeit Fortbildungen für Hauswirtschaftslehrer im Kreishaus Lübeck gegeben. Da dachte ich: die müssten den Wandmaker mal kennenlernen. Daraufhin habe ich seine Adresse rausgegraben, hingeschrieben, ob er mal zum Vortrag kommen wird, er sagte für Mai 1990 zu. Dann dachte ich, hui, da müsste ich aber etwas mehr Erfahrung in Rohkost haben und daraufhin fing ich im Oktober 1989 wieder an. Ich habe mir nie vorgenommen: ich mache das für immer. Bis dahin aß ich zwischendurch immer noch mal Vollwertkost. Mir ging es besser durch die Rohkost, nicht durch die Vollwertkost.

Nun fing ich also wieder an und wusste, dass es Entgiftungsphasen gibt. Hatte sie aber nicht, und machte weiter und blieb dabei bis heute.

Aus welchem Grund bist du dann dabeigeblieben?

Einmal weil ich mich so toll fühlte. Ich habe mich mit keiner anderen Ernährung so gut gefühlt wie mit Rohkost. Als zweites, weil mir alle in meiner Umgebung einschließlich des Arztes sagten: Rohkost ist eine Mangelernährung, du wirst schon sehen. Das hat mich so herausgefordert, dass ich sagte: jetzt will ich doch mal sehen, wie die Mangelerscheinungen aussehen und wann die anfangen.

Seither lasse ich mich jedes Jahr untersuchen mit B12. Ich war einmal grenzwertig, da nahm ich B12 Pillen. Die habe ich immer da, und nehme sie jetzt ab und zu einfach so auf Verdacht. Ich bin mit B12 bestens und mit Eisen bestens im Vorgegebenen Bereich und ich sehe nicht unterernährt aus. Wenn ich jetzt meine Altersgenossen sehe: es gibt keinen in meinem Alter, kaum jemand der nicht irgendwelche Beschwerden hat. Aber nun habe ich mir auch den Hals verrenkt. So habe ich seit ein paar Tagen auch was (lacht).

Dann kam der Herr Wandmaker tatsächlich im Mai 1990 als Referent in deine Schule?

Ja. Ich habe das bei uns in der Schule in der Aula organisiert, eigentlich nur für die Hauswirtschaftslehrer. Das war eine Gruppe von 15 oder 16 Leuten. Einmal im Monat hielt ich eine Fortbildung.

Jedenfalls dachte ich, da ist genug Platz, das kann man diesmal auch für die Bevölkerung öffnen, und setzte den Termin in die Zeitung. Aus diesem Abend entstand ein Rohkost-Gesprächskreis.

Das war bei euch in der Nähe von Lübeck, in Stockelsdorf?

Ja. Und 1991 war ich beim Claude Burger in Frankreich. Der ist ja Vertreter der Instinkto-Form des Essens. Leider wird sein Buch nicht mehr aufgelegt, aber als ich nach Hause kam, war ich so fasziniert, dass ich sagte: ich will ein Rohkosthaus einrichten. Meine Familie fiel aus allen Wolken!

Und du hast das offensichtlich tatsächlich geschafft…

Ja das war gar nicht so einfach.Mit unserem Hof waren wir gerade erst schuldenfrei. Nun kam ich und wollte eine Rohkostpension aufmachen. Wenn ich baden ginge, wäre der ganze Hof mit Baden gegangen.mmein Mann hatte natürlich Angst aber wir fanden eine Lösung, dass ich allein die Schulden machen.

Wie hältst du es dann jetzt mit dem Essen?

Instinkto- Rohkost war nicht das Richtige für mich (Anmerkung: Instinkto ist essen nach dem Instinkt. D. h., was gut riecht und gut schmeckt, ist für den Körper gut. Wenn nicht, ist es zur Zeit nicht das Richtige. Das funktioniert nur mit naturbelassenen Lebensmitteln, nicht mit verarbeiteten). Das funktioniert nicht im normalen Alltag, weil du nicht die Auswahl hast. Stell dir vor, du hast zu Hause noch einen Kohlrabi, der weg muss, und hast keinen Appetit darauf. Dann wirfst du ihn ja nicht weg, sondern isst ihn trotzdem.

Und isst du ab und zu tierisches Eiweiß?

Ja, ab und zu ein Ei.

Was waren denn so deine Herausforderungen im Verlauf der Jahre?

Die waren eigentlich immer sozialer Natur. Man ist so ein bisschen wie eine „gesellschaftliche Beule“. Manchmal hat man es mir sogar ganz offen gesagt: „Es ist unangenehm, dich einzuladen, weil du ja nicht richtig mitisst“. Wenn mehr Menschen so essen würden und das im Restaurant problemlos angeboten würde, wäre es einfacher. Ich denke also, das soziale Problem ist das größte Hindernis, gesund zu leben.

Hast du denn ein paar gute Tipps für solche Situationen?

Man muss konsequent sein, wenn man dabeibleiben möchte. Ich hatte mal versucht, bei Einladungen mitzuessen, während ich sonst auf Rohkost blieb. Ich habe ganz viele Einladungen, etwa 50-55 im ganzen Jahr und stellte fest: das geht für mich gar nicht. Da wecke ich wieder schlafende Hunde: alte Gerichte die gut schmecken. Also bin ich wieder umgeschwenkt und sagte: das geht nicht, ich muss bei meiner Ernährung bleiben.

Meine Umgebung akzeptiert das jetzt. Man stellt mir Rohkost hin oder im Restaurant bestelle ich Rohkost. Kuchen esse ich seit 15 Jahren konsequent nicht: ich esse Obst und ein Klacks Schlagsahne. Wenn man konsequent ist, wird das auch akzeptiert. Ich sehe beim Reinkommen immer schon, wo mein Platz ist, denn da stehen eine Schüssel Obst und etwas Sahne. In Cafés trinke ich einen Kakao mit, keinen Kaffee. Das geht für mich.

Aber man steht unter Beobachtung. Es ist mir schon mehrfach passiert, dass jemand an der Kasse im Geschäft in meinen Wagen geguckt und gesagt hat: Sie kaufen ja tatsächlich nur Rohkost!

Und welche Ideen oder Menschen haben dich in deiner Entwicklung besonders bestärkt?

Bestärkt hat mich vor allem Dr. Bruker mit seinen fantastischen Heilerfolgen. Und mein eigenes Wohlbefinden. Daß außer dem Problem mit der Lunge alle Krankheiten von mir abfielen, das war so ein wunderbarer Beweis. Ich gab dann schon zu Vollwertzeiten viele Kurse, bestimmt so 50 Stück, und auch Zubereitungskurse bei der Volkshochschule. Und habe in der Schule die Schüler konsequent nur in Vollwertkost unterrichtet. Als der Schulrat einmal kam, sagte ich: „Ich halte mich hier nicht an den Lehrplan.“ Und er hat mir Beifall gezollt und sagte: ich wünschte mir mehr so mutige Kollegen.

Dann wüsste ich gern noch ein paar persönliche Dinge von dir. Zum Beispiel, was dein Lebensmotto ist?

Fröhlich und gesund. Das Fröhlich sein ist so wichtig! Und zum Thema Essen: SCHMECKEN muss es. Man muss sich aufs Essen freuen. Sonst hätte ich auch schon längst dichtmachen können.

Und vielleicht einige deiner Beobachtungen im Lauf der Jahre? Du hast ja nun schon sehr, sehr viele Menschen in deiner Pension gesunden sehen.

Also ich war am Anfang zu euphorisch. Ich dachte, die Leute kriegen doch am Beispiel meiner Gesundung mit, wie gut das offensichtlich ist. Aber von 100, die sehen, wie gut und hilfreich Rohkost ist, machen es höchstens 10 oder 20. Und ich sehe, dass die meisten wieder umkippen. Weil die Sucht nach dem Gekochten so stark ist und das soziale Umfeld. Dass man einfach unheimlich viel Mut braucht, um das Leben als Außenseiter durchzustehen. Wenn ich dann der sozialen Kontakte willen immer wieder bei den alten Süchten lande, komme ich nicht vorwärts. Deshalb ist es mir wichtig, das salonfähig zu machen. Das es mehr in die Restaurants kommt.

Welche Tipps würdest du Anfängern noch mitgeben?

Also einmal natürlich konsequent bleiben. Und man muss Selbsthilfegruppen gründen. Mit Gleichgesinnten reden. Und Bewegung ist auf jeden Fall wichtig. Am besten Bewegen in Gemeinschaft. Irgendwas findet man, was einem Spaß macht. Mein Sport ist das Tanzen. Die Gemeinschaft und auch, dass man sich anfassen darf, das brauchen wir Menschen. Essen und Bewegen in Gemeinschaft ist einfach schön.

Je übler jemand dran ist, desto konsequenter sollte er sein. Und man sollte nicht zu schnell umsteigen, sondern langsam, denn die Entgiftungsschübe können so fies sein, dass man sonst kapituliert.

Hast du irgendwelche Besonderheiten erkannt, etwa für Jüngere oder Ältere oder für Männer oder für Frauen etc.?

Also ich sehe, dass Jüngere viel aufgeschlossener sind. Ich kann mich mit Jüngeren viel besser unterhalten. Von Älteren höre ich oft: bei mir lohnt es nicht mehr. Dabei waren die Ältesten, die in meiner Pension wieder schmerzfrei wurden 83, 84 und 86 Jahre. Dr. Bruker sagte, dass die Menschen durchweg 20 Jahre an den Krankheiten leiden, an denen sie dann später sterben. Aber diese 20 Jahre Leiden, die möchten wir doch bitte nicht.

Und gehen Männer anders dran als Frauen?

Ja, Männer sind stur. Und wesentlich schwerer dazu zu bewegen. Aber wenn sie es machen, dann sind sie meist konsequenter als die Frauen. 70 % der Gäste bei mir sind weiblich, 30 % männlich.

Würdest du uns deinen Tagesablauf schildern?

Morgens um 8:30 Uhr esse ich das Frühstück mit meinen Pensionsgästen, um 12:30 Uhr das Mittag. Abends essen ich nicht. Ich mag nach 17:00 Uhr nichts mehr, und habe dann auch keinen Appetit. Da kann auf dem Tisch stehen was will. Zwischendurch esse ich immer mal was beim Zubereiten.

Wie würdest du deine Ernährung beschreiben, du bist ja nicht 100 % Rohkost und auch nicht 100 % vegan?

Ich sage „Naturkost“. Dr. Brucker sagte: „Sag nicht Rohkost. Wenn du Rohkost sagst, dann kriegen alle Leute Schüttelfrost“. Mir war auch klar, dass ich von Anfang an eine warme Beilage dazu geben möchte. Das kam, weil ich mal mit meinem Mann in einer Pension war, wo das so ähnlich angeboten wurde, und er dann meinte, so könnte er auch mit der Rohkost leben.

Ich sehe, dass es für die meisten eine ganz große Hilfe ist. Wenn die Gesundungsgeschichten trotz dieser einfachen, warmen Beilage stattfinden, wieso nicht? (Anmerkung: das sind gekochte Kartoffeln, Kartoffelpüree oder gekochter Vollkornreis). Die meisten Gesundungen passieren ja schon bei 80 % roh. Die Kartoffeln sind basisch und der Reis ist ganz minimal säurebildend. Also der geschälte Reis hat 40 Säurepunkte und der Naturreis 4 oder 5.

Und du nimmst keine Nahrungsergänzungsmittel?

Also gelegentlich B12, aber keine anderen regelmäßigen Nahrungsergänzungsmittel oder gar Medikamente. Wenn irgendetwas quer sitzt, dann mal ein homöopathisches Mittel.

Und was trinkst du so?

Heißes Wasser oder kaltes Wasser, und wenn Tee da steht, trinke ich auch schon mal einen Tee. Familienangehörige bringen bei mir ihre Getränke mit, dann haben Sie auch „das richtige“ Bier, wenn ich bei anderen zu Besuch bin, bekomme ich Wasser. Ich trinke auch keine gekauften Obstsäfte mehr, denn erhitztes Obst ist säurebildend. Erhitztes Gemüse bleibt basisch.

Haben sich deine Schlafgewohnheiten während deiner Umstellung verändert?

Ich schlafe fantastisch. Früher habe ich nicht so gut geschlafen. Ich habe weiterhin Schlafstörungen, wenn ich irgendwelche Probleme lösen muss, aber ich schlafe wieder ein. Oder wenn ich etwas Falsches gegessen habe. Ich aß mal bei einem Grillabend nur ein Fitzelchen vom Bauchspeck und noch ein Fitzelchen. Insgesamt 3 Fitzelchen. Hab ich mich die Nacht gequält! Hatte ich Bauchschmerzen! Bei den nächsten Grillabenden hüpften alle um mich rum und sagten: na Mama, möchtest du ein Stück?

Was ist dein Lieblingsrezept?

Spitzkohl mit Pilzen, Pilzsalat und Broccoli mit Möhren.

Wie ginge es dir heute deiner Einschätzung nach bei konventioneller Kost? Also wenn du dich nicht auf Rohkost umgestellt hättest?

Ach, ich wäre krank ohne Ende. Hätte das Mitgefühl aller. Wenn man krank ist hat man ja das Mitgefühl. Wie heißt das? Mitleid gibt es gratis, Neid muss man sich erarbeiten. Aber auch: Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nicht den Spaten.

Wie sähe ein idealer Tag für dich aus?

So wie jetzt. Und abends tanzen.

Würdest du noch etwas über deine Rohkostpension sagen?

Ich habe über 10 Jahre in den roten Zahlen gehangen. Anfangs bot ich Vollwertkost an habe sonntags morgens frische Brötchen gebacken. Die Zeit war noch nicht reif für eine Rohkostpension. Heute ist das eine Marktlücke. Wir brauchen so viele Naturkostpensionen, wie wir Krankenhäuser haben. Wie ist das jetzt in unseren Krankenhäusern? Da kommt kaum einer raus ohne eine Liste von Tabletten, die er nehmen soll. Werden wir zu Pharmasklaven degradiert?

Wenn andere eine Rohkostpension aufziehen wollten, was würdest du ihnen raten aus deiner Erfahrung heraus?

Einmal müssen Sie finanziell auf sicheren Füßen stehen und das Vorhaben finanziell und praktisch gut übersehen können. Und zum anderen müssen Sie von der Idee auch ganz überzeugt sein. So etwas kann man nicht anbieten und selbst nicht machen. Man muss auch auf jeden Fall schmackhafte Rohkost zubereiten können. Auch wenn man später vielleicht nur noch Leiter ist und andere die Zubereitung übernehmen, muss man es doch können. Man muss es leben und man muss es können.

Was sind deine Zukunftspläne?

Also ich würde gerne Wanderungen anbieten und Trainerin für Lachyoga werden. Außerdem würde ich gerne Märchen erzählen und eine Ausbildung zur Leiterin für Seniorentanz machen. Ich möchte nicht, wenn ich die Pension gelegentlich übergebe, dann nur noch wechseln zwischen Essen und Fernsehen. Das finde ich entsetzlich.

Ich würde in die Seniorenheime gehen und zum Tanzen einladen. Dann würde es anschließend nicht Kaffee und Kuchen geben, sondern Obst und Schlagsahne. Man braucht eine Alternative zu diesen ständigen Einladungen zu Kaffee und Kuchen. Das ist das ungesündeste, was es gibt. Wenn man eine gute Alternative hat, dann kann man sich davon lösen.

 

Liebe Elke, hab ganz herzlichen Dank für diese vielen spannenden Informationen! Ich wünsche dir alles Gute!

 

 

* Pottengers Katzen: F.M. Pottenger untersuchte Hauskatzen auf den Zusammenhang von roher oder gekocher Nahrung und Erkrankungen hin. Dabei fand er heraus, daß nur mit gekochter Nahrung gefütterte Tiere nach einigen Generationen immer mehr Skelett- und Gebissdeformationen aufwiesen, die auch erst widerum nach mehreren Generationen natürlicher Ernährung abnahmen.

 

Interview mit Elke Neu am 23. Februar 2017

 

Über ihren Weg zur Rohkost hat Elke Neu auch ein Buch geschrieben: „Ich will gesund sein“. Darin finden sich unter anderem auch eine Fülle von Gesundungsgeschichten ihrer Pensionsgäste sowie erprobte rohkostvegane Rezepte:


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